In dieser Folge spreche ich mit Jérôme Emler. Er beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit Sicherheitsmanagement und hat dabei einige ziemlich unterschiedliche Welten kennengelernt: Kernenergie, Personenverkehr, Banken, Cybersecurity und digitale Resilienz.
„Heute kommt der Täter nicht mehr über die Mauer, sondern vielleicht durch die Datenleitung.“ - Jerôme Emler
Jérôme plädiert dafür, dass alle Unternehmen mehr wie eine hochzuverlässige Organisation denken. Vieles, was Kraftwerke oder Banken machen, funktioniert auch in kleineren Unternehmen. Entscheidend sind Respekt vor Expertise, das Ernstnehmen schwacher Signale und das Training unerwarteter Szenarien.
„100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.“- Jerôme Emler
3 Dinge, die ich aus dem Gespräch mitgenommen habe:
Technik allein garantiert noch keine Sicherheit: Wer teure Tools kauft, aber nicht damit umgehen kann, hat viel Geld investiert, aber nichts gewonnen. Wie Jérôme es ausdrücken würde: Wer einen Porsche kauft und nur in der 30er-Zone fährt, weiss nie, was das Auto kann.
Die Menschen an der Basis wissen oft am meisten: In einer Krise entscheidet jedoch meist die Hierarchie. Dabei haben die Mitarbeitenden im operativen Bereich oft die meiste Erfahrung. Führungskräfte sollten wissen, wer in ihrem Team zu welchem Thema die beste Einschätzung hat und dieser Person das Wort erteilen.
Eine Management-Ablehnung ist einer der grössten Störfaktoren: In seiner Studie mit 24 Interviews hat Jérôme herausgearbeitet, was Organisationen zuverlässiger macht und was sie bremst. Wenn das Management Sicherheit als selbstverständlich erachtet oder nur als Kostenfaktor sieht, bleibt eine Organisation auf einem niedrigen Niveau stehen.
Dazu sprechen wir darüber, wie wichtig eine vereinte Struktur ist bei der Sicherheit und dass Unternehmen die Sicherheitskultur ernst nehmen sollten.
Dazu war das Ganze gewürzt mit spannende Geschichten aus Jerôme’s Nähkästchen: Von Greenpeace-Aktion, über WannaCry und Bahnsicherheitsvorfällen!
Ein paar Auszüge aus dem Gespräch:
„Sicherheit beginnt beim Undenkbaren.“
„Wer aufgehört hat, gut zu sein, der hat aufgehört, besser zu werden.“
„Angst ist ein ganz schlechter Ratgeber.“
„Da Angreifer keine Silos kennen, sollte die Organisation auch keine Silos haben.“
„Manchmal kann man gar nicht so kreativ denken, wie Angriffe letzten Endes passieren.“
Zum Abschluss erinnert Jérôme daran, dass der Mensch zwar die grösste Schwachstelle ist, aber auch die grösste Stärke einer Sicherheitsorganisation. Sein Tipp für den Alltag: aufmerksam bleiben, Dinge hinterfragen und auf das Bauchgefühl hören.
Bis bald!
Jill
Hier findet ihr Jérôme: LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-j%C3%A9r%C3%B4me-emler-3293a11b7/
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