Wenn ich in Workshops über digitale Risiken spreche, kommt fast immer dieselbe Frage. Nicht „wie schütze ich mich“, sondern „wieso macht jemand so etwas überhaupt?“ Bei Deepfakes, Stalkerware und heimlichen Aufnahmen zeigen die Zahlen ziemlich eindeutig in eine Richtung: Täter sind überwiegend Männer, Betroffene überwiegend Frauen. Diesmal habe ich versucht, dem „Wieso“ nachzugehen.
Der Artikel ist ausführlich geworden, daher hier die Kurzfassung.
TL;DR
Das Ausmass: 98 % aller Deepfake-Videos im Netz sind pornografisch, 99 % der gezeigten Personen sind Frauen. Zwischen 2019 und 2023 hat sich die Zahl der Deepfakes online um 550 % erhöht. Die Dunkelfeldstudie des BKA vom Februar 2026 zeigt ausserdem: Angezeigt wird kaum etwas, in Partnerschaften liegt die Anzeigequote unter 5 %.
Die Werkzeuge sind Alltagsgegenstände: Smartglasses, oder bald Airpods die niemand als Kameras erkennt. Bluetooth-Tracker für ein paar Franken. Apps, die Frauen per Klick „ausziehen“ und zusammen 483 Millionen Mal heruntergeladen wurden. Stalkerware, verkauft als Kinderschutz.
Deepfakes waren von Anfang an gegen Frauen gerichtet: Der Begriff entstand Ende 2017 auf Reddit, als ein Nutzer namens „deepfakes“ die Gesichter von Schauspielerinnen in Pornovideos ersetzte. Eine Untersuchung fand auf einer der grössten Plattformen für sexualisierte Deepfakes ca. 43’000 gefälschte Videos, mit 3’800 gefälschten Personen, 95 % davon Frauen. Videos werden dort auf Bestellung angefertigt.
Die Frage nach dem „Wieso“ der Täter: Eine kleine Gruppe mit ausgeprägten dunklen Persönlichkeitsmerkmalen begeht einen Teil der Taten. Und eine sehr viel grössere Gruppe hält Kontrollieren, Mitlesen und Nachverfolgen schlicht für normale Beziehungspflege gemäss NortonLifeLock: 46 % gaben in einer Umfrage zu, eine Partnerin oder Ex-Partnerin heimlich online zu kontrollieren, bei den 18- bis 39-Jährigen 60 %.
Schützen kann man sich nur teils: Wichtig ist nicht gleich alles zu löschen, sondern Beweise zu dokumentieren, dann beraten lassen, Anzeigen und handeln.
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