Onlinebetrug ist eine weltweit agierende Industrie mit unternehmensartigen Strukturen. Auf der Welt gibt es inzwischen grosse Allianzen, die sich auf die verschiedenen Kontinente konzentrieren. In dieser Reihe möchte ich die grossen Zentren einmal näher beleuchten.
Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Menschen in reicheren Ländern werden systematisch getäuscht, um sie um ihr Geld zu bringen. Dabei wird sehr skrupellos vorgegangen. Aber bedeutet das, dass diese Betrüger alle böse sind? So einfach fällt mir diese Antwort ehrlich gesagt nicht.
In diesem Artikel:
Betrug und Hustle Kingdoms: was ist das, wie funktioniert es?
Warum steigen junge Männer ein und warum kommen sie nicht mehr heraus?
Täter oder Opfer?
TL/DR
Ein wachsendes Problem: Wie mir gestern ein Cyberkriminalist aus seiner subjektiven Sicht sagte: „Es wird immer mehr.“ Gemeldete Schäden steigen jährlich. In den USA melden Betroffene 20.9 Milliarden USD Verluste. Vielleicht als Vergleich: Mit diesem Geld könnten wir 1’200 Luxusvillen an der Goldküste in Zürich erwerben. In der Schweiz bleibt die Zahl auch auf einem hohen Niveau.
Betrugszentren gibt es in Westafrika, Südostasien, Indien und Europa. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie freiwillig die Scammer mitmachen:

Hustle Kingdoms sind nicht über Nacht entstanden. Sie basieren auf einem kriminellen Geschäftsmodell, das über Jahrzehnte gereift ist. In den 1980er Jahren eröffneten Schulabgänger „Business Centers“ und rekrutierten junge Männer, um weltweit Opfer per Post, Telefon und Fax zu kontaktieren (dieser Betrug ist auch als „Vorschussbetrug“ oder „Nigeria-Scam“ bekannt).
Viele Online-Betrüger, die oft als „Yahoo Boys“ oder „Sakawa Boys“ bezeichnet werden, betrachten das Erschwindeln von Geld von westlichen Opfern als eine Art „koloniale Wiedergutmachung“. Ein Hustle Kingdom ist eine halb strukturierte Betrugsakademie, die verdeckt in nigerianischen und ghanaischen Städten betrieben wird. Gelehrt werden Hacking, Romance Scams und Business Email Compromise.
Kein physischer Zwang: Kontaktverbote, Schulden und spirituelle Schwüre halten die jungen Männer dennoch gefangen. Ein Ausstieg erscheint nicht nur gefährlich, sondern undenkbar.
Für mich ist das nicht einfach schwarz oder weiss, gut oder böse. Wenn wir den fiktiven Tunde aus dem Artikel herannehmen, dann können wir gut nachvollziehen, wie er in die Situation eines solchen Scammers kam. Dennoch verursachen sie durch ihre Taten grosses Leid und die Opfer verlieren teils ihre gesamte Rente und das Vertrauen in die Menschen (Pig Butchering, Romance Scam, Sextortion), oder sogar ihr Leben (Der 17-jährige Jordan DeMay nahm sich 2022 das Leben aufgrund Sextortion).
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💡 Wichtiges aus der Cyberwelt
Romance Scammer in der Schweiz ausgehoben: Im April 2026 verhafteten Polizeikorps in mehreren Kantonen zehn Männer zwischen 32 und 54 Jahren. Ihnen werden schwere Geldwäscherei und Romance Scam mit Schäden in Millionenhöhe vorgeworfen. https://www.zh.ch/de/news-uebersicht/medienmitteilungen/2026/04/260428r_aktion_romancescam_geldwaescherei.html
Über 60 Todesfälle nach Sextortion: Ein Dokumentarfilm von Ermittelnden aus dem Ausland zeigt, wie Netzwerke in Nigeria Teenager in den USA und anderen Ländern erpressen. Laut den Ermittelnden haben sich mehr als 60 Jungen nach solchen Erpressungen das Leben genommen. https://saharareporters.com/2026/07/30/video-foreign-investigators-storm-nigeria-expose-yahoo-boys-behind-global-sextortion
💡Eltern: Unbedingt mit euren Kindern über dieses Muster sprechen!
Einmal Good News: Krypto nach Liebesbetrug beschlagnahmt. Eine Frau aus Winterthur verlor fast 200’000 Franken an einen Romance Scammer. Die Kantonspolizei Zürich konnte nach ihrer Anzeige Kryptowerte sicherstellen. https://www.bluewin.ch/en/news/switzerland/zurich-cantonal-police-seize-crypto-money-3248914.html
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KI-Podcast #57 Cybercrime Series (1): Hustle Kingdoms
Onlinebetrug ist eine weltweit agierende Industrie mit unternehmensartigen Strukturen. Auf der Welt gibt es inzwischen grosse Allianzen, die sich auf die verschiedenen Kontinente konzentrieren. In dieser Reihe möchte ich die grossen Zentren einmal näher beleuchten.
📖 Read
Suleman Lazarus zeigt, warum Gerichte Zwang oft nur erkennen, wenn er wie in Südostasien aussieht, mit Mauern und Wachen: https://theconversation.com/forced-labour-in-west-african-cybercrime-academies-how-fear-traps-young-men-283661
Inside the „hustle kingdom,“ where overseas scammers prey on Americans online. (2024, September 25). Yahoo News. https://www.yahoo.com/news/inside-hustle-kingdom-where-overseas-173053781.html
👀 Watch
Global Anti-Scam Alliance. (2025, September 22). Day 1 – Sextortion: How Yahoo Boys Target Teenagers, Paul Raffile | GASS Asia 2025:
DW The 77 Percent. (2020, April 24). Meet the Sakawa Boys: Ghana’s internet fraudsters:
💪 Do
Sprecht diese Woche mit den Jugendlichen in eurem Umfeld über Sextortion. Die wichtigste Botschaft: Wer erpresst wird, zahlt nicht, antwortet nicht mehr und erzählt es sofort einer erwachsenen Vertrauensperson. Scham ist das, worauf die Täter setzen.
Bis bald!
Jill


