NL #53 „Dann bin ich eh nicht mehr da": Digitale Vorsorge
Unsere Aversion dem Thema Tod gegenüber und was wir tun können
Ich stand da in der Wohnung, sollte mich um alles kümmern und war völlig überfordert. Erst seit dem Tod einer mir nahestehenden Person, habe ich begonnen, mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Aber auch das immer noch zögerlich. Mir ist aufgefallen, wie wenig das Umfeld tatsächlich über den Alltag einer Person weiss.
Wo werden Papiere oder wichtige Schlüssel aufbewahrt? Wie viele Bankkonten hat diese Person und gibt es Passwörter, oder geschützte Geräte?
Warum sorgen eigentlich so wenige Leute für den Ernstfall vor? Irgendwie kommt dann auch der Gedanke: „Ja, wenn ich nicht mehr hier bin, dann ist es mir ja auch egal.“
Dahinter stecken u.a. psychologische Muster wie der Optimismus-Bias, Gegenwarts-Bias, der Ostrich-Effekt. Wenn wir sie benennen können, verlieren sie einiges von ihrer Kraft und wir können sie angehen.
Dazu kommt ein praktisches Problem: unser Nachlass ist in den letzten zwanzig Jahren umgezogen. Früher lag das Wesentliche in einem Ordner im Schrank. Heute verteilt sich dasselbe Material auf dreissig bis siebzig Online-Konten, verschlüsselt und hinter Passwörtern, die niemand kennt.
In diesem Artikel geht es um:
Warum 64 % ein Testament wichtig finden und nur 25 % eins haben
Biases: warum es immer die anderen trifft und wieso „später” fast immer gewinnt
3 Schritte für den digitalen Nachlass
Jetzt einlesen:
💡 Wichtiges aus der Cyberwelt:
Mit Toten chatten? KI-Griefbots: Ein Team der University of Colorado Boulder hat 16 trauernde Personen mit zwei Varianten von KI-Nachbildungen Verstorbener chatten lassen, einmal als „Reinkarnation” in der Ich-Form, einmal als Mittler in der dritten Person. Erwartet hatten die Forschenden ein Black-Mirror-Gefühl. Bekommen haben sie das Gegenteil: die Teilnehmenden bevorzugten klar die Ich-Variante, und alle würden so eine Technologie wieder nutzen. Faktische Fehler störten weniger als gedacht, entscheidend war der Ton. Ein falscher Kosename reichte, damit einzelne den Chat abbrachen. Fast alle machten sich allerdings Sorgen, wie ihre eigenen Hinterbliebenen damit umgehen würden. Trainiert werden solche Bots mit Chatverläufen, Sprachnachrichten und Fotos, also genau mit dem Material, das in unserem digitalen Nachlass liegt. Quelle: https://wissenschaft.de/artikel/ki-griefbots-wie-wir-mit-den-toten-sprechen / https://dl.acm.org/doi/10.1145/3800645.3813090
China erklärt Spielkonten für vererbbar: Chinesische Gerichte haben einer Mutter den Zugang zu 87 Spielkonten ihres verstorbenen Sohnes zugesprochen und digitale Spielvermögen damit wie Eigentum behandelt. Bei uns hängt vieles weiterhin an den AGB der Anbieter und vor allem daran, ob die Angehörigen überhaupt wissen, dass es ein Konto gibt. Quelle: https://de.vgtimes.com/gaming-news/160880-chinesische-gerichte-entscheiden-dass-spielkonten-und-digitale-kufe-vererbt-werden-knnen.html
222 Gigabyte aus einer Treuhandfirma im Darkweb: Am 7. Juli bekannte sich die Ransomware-Gruppe BravoX zu einem Angriff auf eine Treuhandfirma im Kanton Waadt. Das Ultimatum lief ab, die Gruppe machte ihre Drohung wahr. Im Darkweb stehen nun über 100'000 Dokumente und Dossiers mit sensiblen Informationen zu Unternehmen, Gemeinden und Einzelpersonen, darunter auch Daten des Waadtländer Staatsrats Vassilis Venizelos. Quelle: https://www.inside-it.ch/cyberangriff-legt-westschweizer-behoerdendaten-offen-20260723
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KI-Podcast: #53 „Dann bin ich ja eh nicht mehr da": Digitale Vorsorge
Erst seit dem Tod einer mir nahestehenden Person, habe ich begonnen, mich damit auseinanderzusetzen. Aber auch das immer noch zögerlich. Mir ist aufgefallen, wie wenig das Umfeld tatsächlich über den Alltag einer Person weiss. Ich stand da in der Wohnung, sollte mich um alles kümmern und war völlig überfordert.
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Tali Sharot fragt in ihrem TED-Talk das Publikum, wer sich beim Autofahren, bei der Ehrlichkeit oder der Sozialverträglichkeit zu den oberen 25 % zählt. Es strecken jedes Mal deutlich mehr als ein Viertel die Hand auf. Statistisch unmöglich, psychologisch völlig normal. Genau dieser Optimismus hilft uns morgens aus dem Bett und steht uns bei der Vorsorge im Weg:
🛠 Do
Gegen Choice Overload und Complexity Bias hilft eine fertige Vorlage. DeinAdieu ist ein Schweizer Portal, auf dem sich Testament, Patientenverfügung und Vorsorgeauftrag online Schritt für Schritt zusammenklicken lassen: https://www.deinadieu.ch/
Hast du für deine wichtigsten Konten schon einen Nachlasskontakt hinterlegt, oder steht das auch bei dir seit Monaten auf der Liste? Schreib mir gerne.
Happy Sonntag 👋
Bis bald!
Jill


