„Hast du meine Brieftasche gestohlen?” - „Ich weiss gar nicht, wo du deine Brieftasche aufbewahrst.“ Das ist keine Antwort, sondern ein Ablenkungsmanöver eines geübten Lügners.
Die Szene stammt aus dem Gespräch mit Gavin Stone, dem Gast meiner Podcast-Folge. Gavin war rund 20 Jahre im Umfeld des britischen Geheimdienstes tätig und ist ein Körpersprache-Experte.
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Wenn es heute schnell gehen muss, kommen hier meine Learnings:
1. Wir denken er ist James Bond, er findet es aber zu 99 % langweilig
Gavin beschreibt Observation als stundenlanges Sitzen im Auto. Die eigentliche Arbeit besteht darin, Muster des Verhaltens festzuhalten. Wo geht die Zielperson einkaufen? Wann? Mit wem? Erst dann kommt der geplante Erstkontakt.
2. Jede:r lügt die ganze Zeit! Wie wird man aber gut darin?
Im Training sehen angehende Agenten das Ergebnis ihres dreistündigen Gesprächs auf Video. Mit einer Aufgabe: „Du bist die einzige Person, die weiss, wann du gelogen hast. Studiere dich und dein Verhalten und lerne deine Tells.”
Die guten Lügner streuen diese Signale anschliessend auch in wahre Aussagen ein. So kann niemand mehr unterscheiden, wann sie die Wahrheit sagen und wann nicht.
3. Mythos: Einmal die Arme zu verschränken bedeutet nicht, dass jemand lügt!
Verschränkte Arme bedeuten nicht automatisch, dass die Person lügt. Vielleicht ist der Person einfach nur kalt. Vielleicht ist das ihre normale Haltung, weil sie lange als Security gearbeitet hat.
Was zählt, sind Cluster, also drei oder mehr Veränderungen gleichzeitig, die vom Baseline-Verhalten abweichen. Und das Baseline-Verhalten muss man zuerst kennen.
4. Es gibt bessere Arten, Informationen zu gewinnen, als Fragen zu stellen
Das ist für mich sein spannendstes Konzept. Im Geheimdienst lernt man: Fragen machen das Gegenüber defensiv. Die Methode heisst Elicitation, also das Stellen provokanter Aussagen statt Fragen. Ein Beispiel aus einer Taxifahrt:
„Haben Sie viele verrückte Fahrgäste?” → „Ja.” Gespräch tot.
„Ich habe neulich mit einigen Fahrern gesprochen. Die hatten unglaubliche Geschichten.“ → Der Fahrer erzählt zwanzig Minuten am Stück.
5. Zwei Gründe, weshalb Menschen Lügen
Schutz oder Gewinn. Wenn wir wissen, in welcher Kategorie jemand lügt, verstehen wir auch, wie wir einen sicheren Raum schaffen können, in dem diese Person die Wahrheit sagen könnte.
Betrüger nutzen dieselben beiden Hebel:
„Ihr Konto ist in Gefahr” ist Schutz
„Sie haben ein Iphone gewonnen” ist Gewinn
Was er zudem zum MICE-Prinzip, also wie wir abgeworben werden, oder Social Engineering Techniken und wieso wir uns nie zu sicher fühlen sollten erzählt könnt ihr in der Folge hören!
Bis bald!
Jill
💡 Wichtiges aus der Cyberwelt💡
Rachel Tobac, CEO von SocialProof Security, warnt aktuell vor einer perfiden Phishing-Masche mit gefälschten Partyeinladungen. Dabei nutzen Betrüger die menschliche Sehnsucht nach Gemeinschaft aus, um an sensible Daten zu gelangen (x, 2026)
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Zur Zeit gehen beim BACS Meldungen über E-Mails ein, in denen behauptet wird, dass die E-Vignette aufgrund eines Abrechnungsproblems deaktiviert worden sei.” (ncsc.ch, 2026)
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Bücher von Gavin: https://www.goodreads.com/author/list/14671347.Gavin_Stone
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