N#49 Weisst du was Popcorn Brain ist und ob du es hast?
Phänomene, die durch unser Online-Verhalten entstanden sind und unser Gehirn beeinflussen
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Kürzlich bat ich einen Kollegen, ein Foto von uns zu machen. Er schaute verwirrt auf mein Handy und wollte es mir mit den Worten „Es ist ja schwarz-weiss eingestellt“ zurückgeben. Auch mein Umfeld belustigt sich manchmal darüber, dass ich noch in einem Schwarz-Weiss-Film lebe. Aber mein Popcorn-Brain dankt es mir wirklich ungemein.
In diesem Artikel geht es um Phänomene, die durch unser Online-Verhalten entstanden sind und unser Gehirn beeinflussen.
Was ist Popcorn Brain und finde heraus ob du es hast
Doomscrolling und seine Auswirkungen auf uns
Gibt es Leute, die besonders anfällig sind?
Zudem erfahrt ihr, warum mein Handy auf Schwarz-Weiss eingestellt ist und was wir unserem Gehirn sonst noch Gutes tun können.
„Mein Gehirn ist kaputt.“
Egal ob jemand auf Reddit schreibt „Mein Gehirn ist kaputt" oder auf TikTok ein Meme teilt: Wir spüren alle, dass etwas anders geworden ist.
Popcorn Brain: Unser Gehirn wird durch ständige schnelle Reize überstimuliert. Es poppt von einem Gedanken zum nächsten. Das reale Leben fühlt sich plötzlich langweilig an.
Doomscrolling: Wir scrollen durch negative Nachrichten, obwohl wir wissen, dass es uns nicht guttut. Angst plus kurze Belohnung ergibt: mehr Scrollen. Ein Suchtkreislauf.
Brain Rot: Das Gefühl, dass unser Gehirn durch zu viel Short-Form-Content „verrottet”. Kürzere Aufmerksamkeitsspanne, weniger tiefes Denken.
Und das lässt sich im Gehirn messen: Bereits nach 30 Minuten Social-Media-Nutzung zeigen sich im Gehirn Erschöpfungssignale, die normalerweise nur im Tiefschlaf vorkommen.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du unter „Popcorn-Brain“ leidest, mach doch einfach mal ein kleines Experiment. Leg dein Handy in einem anderen Zimmer ab und zähle, wie oft du den Drang verspürst, es dir zu holen. Unangenehm, oder?
Wie die Plattformen uns am Scrollen halten
Die Plattformen nutzen eine Technik, die funktioniert wie ein gutes Verkaufsgespräch. Ein Verkäufer fragt nie sofort „Kaufen Sie das für 500 Franken?”. Er fragt: „Darf ich Ihnen das kurz zeigen?” Dann: „Möchten Sie es ausprobieren?” Jedes kleine Ja macht das nächste wahrscheinlicher. In der Psychologie heisst das Mikro-Compliance.
Auf Instagram sieht unsere Mikro-Compliance so aus:
Du siehst den roten Punkt bei den Benachrichtigungen. Du tippst drauf. Erstes kleines Ja. Die Belohnung: Drei Leute haben dein Foto geliked.
Der Feed lädt. Du scrollst. Zweites Ja. Die Belohnung: Ein Foto deiner Freundin aus dem Urlaub. Du likest es. Drittes Ja. Die Belohnung kommt später, aber dein Gehirn weiss es schon. Sie wird dein nächstes Bild auch liken.
Ein Reel startet automatisch mit Ton. Du bleibst und schaust es fertig. Viertes Ja. Die Belohnung: Du musst lachen.
Ein Katzenvideo. Du schickst es einer Freundin. Fünftes Ja. Die Belohnung: Sie antwortet mit drei Lach-Emojis.
Jedes Ja wird belohnt. Und jede Belohnung trainiert uns, das nächste Ja zu geben.
Die Plattform erzieht uns wie ein Leckerli einen Hund.
Pro Minute treffen wir 10 bis 15 solcher Mikro-Entscheidungen. In einer Stunde sind das 600 bis 900 kleine „Ja”. Keine grosse Entscheidung wird gefällt, aber viele kleine, und jede einzelne bindet uns ein Stück mehr.
Dazu kommt der Spielautomaten-Effekt: Nicht jeder Beitrag ist spannend. Aber alle paar Wischbewegungen kommt etwas, das uns packt. Wir hören nicht auf, weil der nächste Treffer gleich kommen könnte.
Diese 4 einfachen Gewohnheiten helfen
Abstand: Echten Wecker statt Smartphone nutzen. Handy bei der Arbeit in die Schublade. Apps, die süchtig machen, nur im Browser aufrufen
Benachrichtigungen: Keine Push-Nachrichten, keine roten Zahlen, keine E-Mail-Benachrichtigungen aus Apps
Grenzen: Klare Scrollzeiten definieren und auf eine feste Dauer beschränken, Handy ausserhalb dieser Zeiten nur für Relevantes nutzen
Graustufen: Dadurch wird das Scrollen weniger verlockend und die Bildschirmzeit verringert sich
Wir klicken, scrollen und swipen und das ist menschlich.
Unser Gehirn reagiert auf diese Reize, weil es dafür programmiert ist. Wir können jedoch bewusst entscheiden, wie viel „Hitze” unser Popcorn (oder Mais?)-Brain verträgt, bis es poppt.
Was sind eure Strategien?
Bis bald!
Jill
Den ganzen Artikel mit den psychologischen Biases hinter Doomscrolling, den neurowissenschaftlichen Hintergründen und meinen nostalgischen Erinnerungen an eine Zeit vor Social Media findet ihr hier:
🧠Diese Fakten wird dein Gehirn lieben🧠
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